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Östliche Ostsee von Ost nach West

Von Helsinki nach Stockholm – ein Schärentörn

Unser Törn begann am 21. Juni 2025 mit dem üblichen Hafentag in der Marina Bay in Helsinki. Das Schiff war die Rubin , eine Sun Odyssey 519, der Kojenchartergesellschaft Schönicke Skipperteam aus Hamburg. Der Skipper, Reiner Schipporeit aus Berlin, ein alter Bekannter und Freund, hatte zu diesem Törn Freunde eingeladen – so waren wir insgesamt sechs Personen: die Schwestern Uli (Ulrike), Ute und Fridericke sowie Peter, meine Wenigkeit und eben Reiner. Das Nesthäkchen war meine Wenigkeit mit gut mehr als 55 Lebensjahren. Am Samstag wurde gebunkert, und noch ein wenig Helsinki angeschaut. Helsinki ist durchaus eine Reise wert, insbesondere dann, wenn man einmal wissen möchte, wie modernes Leben funktionieren kann. Abends nutzen wir Jungs dann noch die Hafensauna, etwas, dass es in Skandinavien überall gibt. Wir nutzen dieselben in fast jedem Hafen. Sonntag ging es dann los durch die südfinnischen Schären via Porkkala in die Furuholmenbucht südwestlich der Schäre Vorm. Wir brauchen zwei Versuche um den Anker zum halten zu bringen – steiniger Boden. Lerne: Kette legen.Ansonsten geniessen wir eine absolut ruhige Nacht in idyllischer finnischer Kulisse. Am nächsten Morgen geht es weiter westwärts in den Ort Ekenas Tammissari und die dortige Marina. Da das Wetter (trotz Juni) gut schlecht wird bleiben wir hier zwei Tage. Das Schiff kam aus dem vorherigen Törn ohne Radarreflektor – Reiner und ich bildeten uns also ein, es würde einen neuen brauchen. Bei Regen von oben und der Seite radeln wir mehrere Kilometer um schließlich einen Ausstatter zu finden, der tatsächlich einen hat. Mit der Beute geht es zurück zum Schiff – in noch mehr Regen. Pitschnass kommen wir an Bord an und sind froh eine eigene Nasszelle für die „Schlechtwetterklamotte“ zu haben. Auch hier in Ekenas genießen wir finnisches saunieren und die Abkühlung in der 16 Grad kalten Ostsee.  Nach zwei Tagen geht es wieder bei schönem Wetter weiter in die Ankerbucht Hislandet. Hier wollen wir zunächst am Inselchen Linskeret in der Zufahrt zur großen Bucht festmachen, werden aber – weil privater Besitz – von einem Anwesenden Finnlandsegler vertrieben. Merke: nicht überall bist Du in Finnland willkommen. Wir finden in der großen Bucht dennoch einen ruhigen Platz (sind eh die Einzigen) und beobachten die Vogelwelt:  Zwei Adler versuchen in einer Kolonie Eier oder Jungvögel zu stehlen, werden aber durch einen Riesenaufstand vertrieben.Ein irres Spektakel. Leider zerschellt unser neuer Radarreflektor an Deck, als Reiner ihn in der obersten Wand anbringen will. Lerne: Reflektoren erscheinen vielleicht stabil zusammengesetzt – überprüfe es aber besser. Nach ruhigster Nacht und tollem Sonnenunter- und aufgang geht es am nächsten Tag in die kleine Marina von  Stormalo. Hier können wir wieder eine „Hafensauna“ genießen. Weiter geht es nach Westen. Wir verlassen die Schären Finnlands und kommen in die Ålands. Dort ist unser ersten Hafen die Marina in Kumlinge. Das erste Mal sehen wir wieder eine deutsche Flagge – wir sind gleich drei Schiffe dort. Die Ålandinseln zählen zu Finnland, sprechen aber Schwedisch und sind autonom. Am nächsten Morgen geht es weit durch die åländischen Schären  via Degery bis in den Vesterhavn nach Marienhamn. Vor Marienhamn ist es spannend: die Wasserwege werden teilweise sehr eng (vielleicht 60-70m), dafür kommen einem, zu gewissen Zeiten, im Minutentakt die großen Fähren entgegen (30-40m breit). Und das um Ecken, in die man nicht einsehen kann. Horido! Immerhin kann man in den Ålands – später auch in Schweden – es mal wagen eine Tonne flasch zu runden. Selbiges sollte man in Finnland selber besser nicht tun. Dort ist es so: flasche Seite der Tonne = Kiel in Gefahr. Wohlbehalten in Marienhamn angekommen nutzen wir wieder einen Hafentag. Hier liegt die Pommern – einer der berühmten P-Liner der Hapag-Reederei. Ein sehenswertes Museum. Natürlich genießen wir auch wieder die Sauna. Im Hafen ist viel internationales Publikum – und viele tolle Schiffe. Leider verläßt uns Peter – er fühlt sich nicht mehr wohl. So bleiben drei Damen, Reiner und ich zurück. Nach zwei Tagen geht es weiter Richtung Schweden. Wir steuern dazu den Leuchtturm Tjarven an und freuen uns an 7 Bft. und 3 Meter Welle – also Reiner und ich. Die Mädels sind allesamt out of order. Wir laufen in die schwedischen Schären ein und haben uns die Osterviken auf Lokal als Ankerbucht ausgesucht. Die schwedischen Schären sind nun wieder etwas ganz anderes – sehr tief und im Grund schlecht haftend. Zumeist macht man dort mit Heckanker und Landleine fest. Dazu braucht es – ja: einen Heckanker und eine Ausstiegsmög-lichkeit am Bug. Unser Boot hatte weder das Eine noch das Andere. Damit konnten, insbesondere die Älteren von uns, nicht mehr von Bord. Merke: Heckanker und Buglleiter sind wichtige Utensilien für die Ostsee!. Am nächsten Morgen geht es weiter nach Sandhamn. Es ist gerade die Rund Gotland zu Ende, so sind viele Schiffe – von der 12mR Anita bis zur IMOCA Biotherm – im Hafen von Sandhamn. DAs führt aber auch dazu, dass wir im Außenhafen Telegraph einquartiert werden. Wieder genehmigen wir uns einen Hafentag, erkunden die kleine Insel und erfreuen uns an der Nach-Regatta-Parade. Einen Tag später geht es weiter Richtung Stockholm in die Bucht Napoleonviken. Hier müssen wir erneut einen Tag einlegen, weil ein tatsächlicher Sturm mit bis zu 50kn Wind vorbeizieht. Wie verlegen nach der ersten Ankernacht an einen Felsen, brauchen aber wieder mehrere Versuche bis unser 25kg „Heckanker“ an der Leine endlich gut greift. Merke: Anker immer OHNE Fahrt ablassen – selbst 25kg schwimmen auf! Nachdem der Sturm vorüber war gingen schließlich nach Stockholm an den gebuchten Platz im Vasahamnen. Der erste wirklich volle Hafen – dafür toll vor den Museen in Stockholm gelegen. Eine tolle Reise geht am 04. Juli 2025 zu Ende.

Fazit: Die finnische, åländische und schwedische Schärenwelt ist beeindruckend. Von Ost nach West nimmt die Wassertiefe in den Fahrwegen deutlich zu. Ein Passieren der Tonnen auf der „falschen“ Seite kann insgesamt nicht empfohlen werden – ist in Finnland aber wesentlich gefährlicher als in Schweden. Gute Karten und gute Orientierung sind wichtig. Ich habe noch nie so viele Tonnen gesehen wie in Finnland. Natur, Gastfreundschaft, Sauna und spannende Navigation prägten diese Reise. TIP: von West nach Ost fahren – also nicht wie hier beschrieben. Warum? Dann geht es mit und nicht gegen den Wind. Besseres Segeln.

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